Der Weg in den Krieg

1939 war ein Jahr voller politischer Spannungen. Europa befand sich in einer Situation, in der Diplomatie kaum noch funktionierte. Das nationalsozialistische Deutschland unter Adolf Hitler verfolgte eine aggressive Expansionspolitik. Nach der Besetzung Österreichs 1938 und der Zerschlagung der Tschechoslowakei im Frühjahr 1939 war klar, dass Hitler weitere Gebiete erobern wollte. Die europäischen Mächte hofften noch auf eine friedliche Lösung, doch die Lage spitzte sich immer weiter zu.

 

Der Hitler‑Stalin‑Pakt

Am 23. August 1939 schockierte ein überraschendes Bündnis die Welt: Deutschland und die Sowjetunion unterzeichneten den sogenannten Hitler‑Stalin‑Pakt. Offiziell handelte es sich um einen Nichtangriffspakt, doch in einem geheimen Zusatzprotokoll vereinbarten beide Staaten die Aufteilung Osteuropas. Besonders Polen war davon betroffen. Dieser Pakt machte den Weg für Hitlers nächsten Schritt frei, denn er musste keinen Zweifrontenkrieg mehr fürchten.

 

Der Überfall auf Polen – 1. September 1939

Am frühen Morgen des 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Deutsche Truppen überschritten die polnische Grenze, unterstützt von Luftangriffen der Luftwaffe. Der Angriff wurde als „Blitzkrieg“ geführt – eine neue, schnelle und koordinierte Kriegsführung, die Polen militärisch überrumpelte. Städte wie Warschau wurden schwer bombardiert, und die Zivilbevölkerung litt von Beginn an unter Gewalt, Vertreibung und Repression.

 

Die Kriegserklärung von Großbritannien und Frankreich

Nur zwei Tage später, am 3. September 1939, erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Sie hatten Polen Schutz zugesichert und mussten nun handeln. Damit wurde aus einem regionalen Angriff ein europäischer Großkonflikt. Viele Länder des britischen Commonwealth – darunter Australien, Kanada und Neuseeland – folgten und traten ebenfalls in den Krieg ein.

 

Der sowjetische Einmarsch in Polen

Am 17. September 1939 marschierte die Sowjetunion von Osten her in Polen ein. Dies geschah gemäß dem geheimen Abkommen mit Deutschland. Für die polnische Bevölkerung bedeutete dies eine doppelte Besatzung. Viele Menschen wurden verhaftet, deportiert oder getötet. Polen hörte praktisch auf zu existieren und wurde zwischen den beiden Großmächten aufgeteilt.

 

Die vollständige Besetzung Polens

Bis Anfang Oktober 1939 war Polen militärisch besiegt. Deutschland und die Sowjetunion teilten das Land unter sich auf. Die deutsche Besatzung war geprägt von Terror, Unterdrückung und systematischer Gewalt gegen Juden, Intellektuelle und politische Gegner. Schon 1939 begannen die ersten Massenerschießungen und Deportationen.

 

Der „Sitzkrieg“ im Westen

Obwohl Deutschland und Frankreich nun offiziell im Krieg waren, blieb die Westfront im Herbst und Winter 1939 weitgehend ruhig. Diese Phase wird oft als „Sitzkrieg“ oder „Phoney War“ bezeichnet. Beide Seiten bereiteten sich auf kommende Kämpfe vor, doch größere militärische Aktionen blieben zunächst aus. Die Bevölkerung lebte in ständiger Unsicherheit, da niemand wusste, wann der Krieg auch den Westen erreichen würde.

 

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen

Mit dem Kriegsbeginn änderte sich das Leben in Europa schlagartig.

  • Männer wurden eingezogen

  • Lebensmittel wurden knapp

  • Fabriken stellten auf Rüstungsproduktion um

  • Propaganda prägte den Alltag

1939 war das Jahr, in dem die Welt in einen Konflikt stürzte, der sechs Jahre dauern und über 60 Millionen Menschen das Leben kosten sollte.

 

Warum 1939 ein Wendepunkt der Geschichte ist

1939 markiert den Beginn eines globalen Krieges, der politische Grenzen, Gesellschaften und ganze Kulturen veränderte. Die Entscheidungen und Ereignisse dieses Jahres legten den Grundstein für die dramatischen Entwicklungen der folgenden Jahre. Der Überfall auf Polen war nicht nur ein militärischer Angriff, sondern der Startschuss für eine der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte.