K2: Der „Wilde Berg“ – Wo das Bergsteigen an seine Grenzen stößt

Während der Mount Everest als der höchste Berg der Welt im Rampenlicht steht, gilt der K2 (8.611 m) unter Alpinisten als der ultimative Prüfstein. Er ist der zweithöchste Gipfel der Erde, doch in Sachen Schwierigkeit, Gefahr und Prestige steht er einsam an der Spitze. Wer den K2 besteigt, gehört zur absoluten Weltelite – und selbst dann ist der Erfolg niemals garantiert.

 

1. Die Gefährlichkeit: Warum ist der K2 so berüchtigt?
Der K2 wird oft als der „Wilde Berg“ bezeichnet, da er im Gegensatz zum Everest fast keine „leichten“ Passagen bietet.
Der Flaschenhals (Bottleneck): Die wohl berühmteste und gefährlichste Schlüsselstelle. Auf ca. 8.200 m müssen Bergsteiger eine extrem steile Rinne durchqueren, über der riesige, instabile Eistürme (Seracs) hängen. Ein Abbruch bedeutet hier fast immer den Tod.
Wetterunberechenbarkeit: Der K2 liegt am westlichen Ende des Karakorums in Pakistan. Er ist extremen Stürmen ausgesetzt, die oft ohne Vorwarnung aufziehen.
Kein „Wandertag“: Während man am Everest auf ausgetretenen Pfaden laufen kann, erfordert der K2 von Beginn an technisches Klettern in Fels und Eis.
Winter-Trauma: Erst im Jahr 2021 gelang es einem nepalesischen Team zum ersten Mal überhaupt, den K2 im Winter zu bezwingen – eine der letzten großen Herausforderungen des Alpinismus.
 2. Der Zustieg: Ein Marsch durch die Eiswüste
Der Weg zum K2 ist einer der entlegensten und anstrengendsten Treks der Welt.
Der Baltoro-Gletscher: Von der Ortschaft Skardu aus führt ein mehrtägiger Marsch über den gewaltigen Baltoro-Gletscher.
Concordia: Der Punkt, an dem der Baltoro- und der Godwin-Austen-Gletscher aufeinandertreffen, wird „Concordia“ genannt. Von hier aus bietet sich der wohl spektakulärste Blick der Welt auf den K2 und die umliegenden Achttausender.
Abgeschiedenheit: Im Gegensatz zu Nepal gibt es hier keine Sherpa-Dörfer am Wegesrand. Alles – wirklich alles – muss per Träger oder Maultier über das Eis transportiert werden.

3. Die Route und die Camps (Abruzzi-Sporn)
Die meistbegangene Route führt über den Südostgrat, den sogenannten Abruzzi-Sporn.

Lager Höhe (ca.) Herausforderung
Base Camp  5.100 m Auf dem Gletscher gelegen, oft windgepeitscht.
Camp 1 6.100 m Erfordert anspruchsvolles Klettern in gemischtem Gelände (Fels/Eis). 
Camp 2 6.700 m Beherbergt das berühmte „House’s Chimney“, einen 30 m hohen Felskamin.
Camp 3 7.300 m Hier ist man den Elementen schutzlos ausgeliefert; oft sehr stürmisch.
Camp 4 7.900 m Auf der „Schulter“ des K2. Der letzte Rastplatz vor der Todeszone.


 4. Geschichte: Tragödie und Triumph
Die Geschichte des K2 ist geprägt von nationalem Stolz und dramatischen Ereignissen.
Der Name: „K2“ steht schlicht für den zweiten vermessenen Gipfel im Karakorum. Er hat keinen weithin bekannten lokalen Namen (wie Chomolungma für den Everest), was seine isolierte, fast künstliche Aura verstärkt.
1954 – Die Erstbesteigung: Die Italiener Achille Compagnoni und Lino Lacedelli erreichten am 31. Juli 1954 als Erste den Gipfel. Die Expedition war jedoch von heftigen internen Streitigkeiten und einem Skandal um den jungen Walter Bonatti überschattet, dem man fälschlicherweise vorwarf, Sauerstoff unterschlagen zu haben.
Das schwarze Jahr 2008: In einer der schlimmsten Tragödien der Bergsteigergeschichte kamen 11 Menschen innerhalb von 24 Stunden am K2 ums Leben, die meisten davon durch Lawinenabgänge im Bereich des Flaschenhalses.