
Nanga Parbat: Der „Schicksalsberg“ der Deutschen
Der Nanga Parbat ist kein Berg der Rekorde in Sachen Höhe, aber er ist ein Gigant der Superlative in Sachen Dramatik. In Pakistan wird er respektvoll „Diamir“ (König der Berge) genannt, doch in Europa erlangte er traurige Berühmtheit als der Berg, an dem ganze Expeditionen ihr Ende fanden.
1. Die Gefährlichkeit: Warum ist er so gefürchtet?
Der Nanga Parbat gilt als einer der psychologisch und physisch forderndsten Berge:
Die Rupal-Wand: Mit ca. 4.500 Metern ist sie die höchste Steilwand der Erde. Wer hier hochschaut, sieht eine senkrechte Mauer aus Eis und Fels, die fast unbezwingbar scheint.
Isolierte Lage: Da er direkt aus dem Indus-Tal aufsteigt, gibt es keinen Puffer. Wettersysteme prallen ungebremst auf das Massiv, was zu extremen Schneefällen und Lawinen führt.
Orientierung: Die Routen am Nanga Parbat sind komplex. Besonders bei Nebel wird das riesige Massiv zur tödlichen Falle, da die Abstiegswege schwer zu finden sind.
Terror-Vorfall 2013: Ein tragisches Kapitel abseits der Natur war der Anschlag auf das Basislager im Jahr 2013, bei dem elf Bergsteiger von Extremisten getötet wurden – ein Ereignis, das die Kletterwelt erschütterte.
2. Der Zustieg: Vom Dschungel ins ewige Eis
Der Kontrast beim Nanga Parbat ist weltweit einmalig.
Die Märchenwiese (Fairy Meadows): Der Zustieg zur Nordseite (Rakhiot-Flanke) führt durch saftig grüne Bergwälder und Almwiesen, die einen surrealen Kontrast zum schneebedeckten Gipfel bieten.
Der Weg zum Diamir-Basislager: Auf der Westseite wandert man durch karge, felsige Täler. Das Basislager liegt auf etwa 4.200 m. Der Höhenunterschied zum Gipfel ist hier gewaltig – man hat fast 4.000 Höhenmeter pures Klettern vor sich.
3. Die Route und die Camps (Kinshofer-Route)
Die heute gängigste Route führt über die Diamir-Flanke (Kinshofer-Route).
| Lager | Höhe (ca.) | Charakteristik |
| Base Camp | 4.200 m | Relativ komfortabel auf einer Seitenmoräne gelegen. |
| Camp 1 | 4.850 m | Der Einstieg in die Wand, oft gefährdet durch Steinschlag. |
| Camp 2 | 6.100 m | Erfordert das Klettern durch die „Kinshofer-Wand“, eine steile Felsstufe. |
| Camp 3 | 6.800 m | Auf einem exponierten Plateau, oft extremem Wind ausgesetzt. |
| Camp 4 | 7.400 m | Letzter Stützpunkt vor dem riesigen Gipfeltrapez. |
4. Geschichte: Zwischen Wahnsinn und Heldentum
Kein anderer Achttausender ist so eng mit der deutschen Bergsteigergeschichte und der Familie Messner verbunden.
1953 – Die legendäre Erstbesteigung: Der Österreicher Hermann Buhl vollbrachte eine der unglaublichsten Taten der Alpinistik. Er erreichte den Gipfel im Alleingang und ohne Sauerstoff. Den Abstieg überlebte er nur, weil er eine Nacht stehend auf einem schmalen Felsband in über 8.000 m Höhe biwakierte.
1970 – Die Messner-Tragödie: Die Brüder Reinhold und Günther Messner durchstiegen erstmals die gewaltige Rupal-Wand. Beim Abstieg über die Diamir-Seite kam Günther Messner in einer Lawine ums Leben. Reinhold überlebte schwer verletzt. Die Suche nach seinem Bruder und die späteren Vorwürfe prägten sein Leben über Jahrzehnte.
2016 – Die erste Winterbesteigung:** Simone Moro, Alex Txikon und Ali Sadpara gelang nach unzähligen gescheiterten Versuchen anderer Teams die erste Besteigung im Winter – eine Sensation.